Paula Bomer: Neun MonatePaula Bomer

 

Neun Monate
Roman

Aus dem Amerikanischen von
Christine Koschmieder

NEU!
Hardcover. 288 Seiten. Schutzumschlag, farbiges Vorsatzpapier, Prägung, Lesebändchen
22,00 Euro (D), 22,60 Euro (A)
ISBN: 978-3-944122-13-7

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Paula Bomer ist in South Bend, Indiana, aufgewachsen und lebt heute in New York.


Die junge New Yorkerin Sonia gerät durch ihre unerwartete dritte Schwangerschaft – dieses Mal eine Tochter – völlig aus der Bahn. Ausgerechnet jetzt, wo ihre zwei Jungs aus dem Gröbsten raus sind, sie glaubt, endlich durchatmen zu können, und die Leidenschaft zu ihrem Mann wieder erwacht. Sie verlässt Mann und Kinder und macht sich auf zu einer Reise quer durch Amerika. Auf der Suche nach der Frau, die sie einmal war: Sorglos, unabhängig, lustbetont, eine kompromisslose Künstlerin.

Sie trifft auf ihre alte Drogenfreundin Katrina, einen unwiderstehlichen Trucker, ihre moralisierende Schwester und vor allem auf ihren attraktiven, sarkastischen früheren Kunstlehrer und Lover.

Und macht dabei alles, was einer Schwangeren, einer Mutter verboten ist. Trinkt Alkohol, kifft und lässt sich auf One-Night-Stands ein. Sie ist »bad«, rebellisch – und liebt ihre Familie über alles.

Unterhaltsam und gewagt zugleich – ein Roman, der sich in rasantem Tempo über alle Klischees hinwegsetzt, die über Mütter, Schwangere, Kinder, Ehe und weibliche Identität im Umlauf sind.

»Als sie den Motor anlässt, denkt sie, wo soll ich hin? Das spielt keine Rolle. Ich gehe, ich bin weg, ich tue das, wovon jede Mutter träumt, ich bin immer schon meinen Träumen gefolgt. Ich tue das, wovor jede Mutter Angst hat, ich habe mich immer schon meinen Ängsten gestellt. Das war’s, ihre Hände wollen schon wieder zittern. Sie fängt sich, sie muss sich auf die Straße konzentrieren. Überlebenswille nennt man das wohl. Angst und Flucht. Die natürliche Reaktion, wenn du im Wald auf einen Bären triffst. Sonia war im Wald. Und ihr ganzes verdammtes Leben ist der Bär.«
»Sonia ist nicht durchgeknallt. Sie will einfach nur alles auf einmal.«


INTERVIEW mit Paula Bomer: »New York ist voller Träumer«.
Die Autorin über ihre literarischen Vorbilder, warum sie Bücher nicht nur schreibt, sondern auch verlegt, und ihren Sommer in Berlin.


STIMMEN:

Diese Art zu schreiben gehört zum Rauesten und Eindringlichsten, was mir je begegnet ist.
— Jonathan Franzen über Paula Bomer

Bomer, bekannt durch ihren Erzählungen-Band »Baby«, schreibt ungeschönt über Frauen mit Nachwuchs. Alle Menschen mit Kinderwunsch sollten ihn lesen.
— Berliner Zeitung über den Roman »Neun Monate«

Bomer (…) ist sehr gut darin, ohne Weichzeichner zu schreiben. Das allein ist schon eine geschlechterpolitische Tat. Denn wenig wird so verklärt wie (werdende) Mutterschaft.
— Missy Magazine

Ein heftiges, bissig-witziges Buch mit hohem Suchtfaktor … Liebhaber von Mami-Literatur werden entsetzt sein, aber Fans von Romanen mit herrlich schrägem Personal im Stil von Richard Russo, John Updike und Tiffany Baker kommen voll auf ihre Kosten.
— Library Journal

Unglaublich temporeich und witzig.
— The Atlantic

Ein mutiger, provokanter Roman über die Tücken elterlicher Korrektheit. Bomers schmerzhaft ehrliche Analyse neuer gemeingefährlicher Mami-Clans macht dieses Buch sofort zum Klassiker.
— The Guardian

Paula Bomers »Neun Monate« ist ein ehrlicher, eindringlicher Roman voll schwarzem Humor, der den Leser immer wieder überrascht, eine Gefühlshülle nach der anderen abschält und die Tiefe und Bedürfnisse menschlicher Erfahrung freilegt.
— The Nervous Breakdown

  

Über den Band »Baby« von Paula Bomer (erschienen 2014 im Open House Verlag)

Ein sehr außergewöhnliches und gutes Buch … beeindruckend. Gefüllt mit zehn Kurzgeschichten … wenn man beginnt sie zu lesen, besteht die Gefahr, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legt.
Thomas Koch, WDR

Auch Paula Bomer erzählt in ›Baby‹ von [Eltern] – … wie sie miteinander schlafen, wie sie gebären, stillen, einander Gewalt antun oder ignorieren, und was sie bei all dem fühlen. … Neu und ziemlich überraschend ist, wie hier eine kein fieses Detail auslässt, kein einziges Happy End andeutet und dabei sehr unterhaltsam und kein bisschen zynisch ist.
Sabine Rohlf, Berliner Zeitung

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LESEPROBE:
Kapitel 2: Juni – acht Monate zuvor

Sonia will nicht noch ein Kind. Und auch keine Abtreibung mehr. Sie hat schon zwei Kinder und eine Abtreibung hinter sich. …
Ihre Kinder sind noch klein, o.k., aber sie hat keine Babys mehr! Und das macht sie verdammt froh. Ein bisschen überheblich sogar. Jedes Mal, wenn sie auf dem Spielplatz andere Mütter mit einem Säugling auf dem Arm sieht, denkt sie, ha, das hab ich hinter mir. Ein für alle Mal hinter mir. Seit beide Kinder nachts durchschlafen, mit am Tisch sitzen (mehr oder weniger) und ihr eigenes Essen in ihre eigenen Münder stopfen, ist ihr Leben so viel besser geworden. Und jetzt, da sie nicht mehr so erschöpft ist, jetzt, wo sie und Dick einmal die Woche ins Kino gehen, sich wieder näher sind als die ganze Zeit seit Toms Geburt vor vier langen, fältchenproduzierenden Jahren, und wieder vögeln, jetzt soll das alles schon wieder vorbei sein?
 
Diese hart erarbeitete, lang ersehnte Verschnaufpause. Ihre Kinder sind noch zu klein, um ernsthaft in Schwierigkeiten zu geraten, aber die Plärr-, auf-die-Straße-renn-, Dreck-vom-Boden-in-den-Mund-stopf- und permanente Zahnungsphase haben sie durch. Der Duft der grünen, baumgesäumten Straßen von Brooklyn erscheint ihr süßer denn je, jetzt, da sie eine Zeitschrift zum Spielplatz mitnehmen und sich entspannen kann, also tatsächlich entspannen, während ihre zwei Jungs ganz lieb auf den niedrigen, supersicher gestalteten modernen Klettergerüsten spielen. Selbst ihre Beine sind wieder attraktiv, die Schwangerschaftskrampfadern haben sich fast vollständig zurückgebildet. Sie hatte gerade wieder angefangen, Hoffnung zu schöpfen. Aufgehört, in Wäschebergen zu versinken. Und damit soll jetzt schon wieder Schluss sein? Jetzt das?
 
Ganz ehrlich, es ist einfach so, dass Sonia und Dick sich noch jung fühlen. Sonia ist 35, Dick 38. Sie wollten Tennis lernen. Museen besuchen. Stilvolle Klamotten tragen, die nicht gleich wieder vollgespuckt würden. Sich nicht mehr ständig runterbeugen müssen! Keine Angst mehr haben, die Jungs könnten die Treppe runterfallen oder Glasscherben essen. Sie wollen ein bisschen Freiheit. Und seit ein paar Monaten haben sie einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen, denn kaum war Mike zwei, waren die Dinge wieder einfacher geworden. Sie waren sich einig, dass sie nur zwei Kinder wollten, um sich ihre Stadtwohnung weiter leisten zu können, weiterhin genug Platz in einer halbwegs geräumigen Vier-Zimmer-Wohnung zu haben. Für ein großes Haus mit Garten bestand überhaupt keine Notwendigkeit. Ja, sie haben gerade angefangen, einmal die Woche ins Kino zu gehen. Außerdem möchte Sonia auch wieder malen. Ab Herbst soll Mike in die Vorschule gehen (er ist sogar schon angemeldet), damit sie Zeit für die Dinge hat, auf die sie verdammt noch mal gerade Lust hat, also vor allem fürs Malen. …
 
Und jetzt ist sie schwanger.

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