Sven Hannes: Die BombeSven Hannes

Die Bombe
Die Geschichte der Atombombentests von den Anfängen bis zur Gegenwart

NEU!
Hardcover. 304 Seiten. 20 Abb., farbiges Vorsatzpapier, Lesebändchen. 25,00 Euro (D), 25,70 Euro (A)
ISBN: 978-3-944122-34-2


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Sven Hannes, geboren 1974, aufgewachsen im Rheinland, umgeben von Atomwaffenstandorten. Prägende Erlebnisse:
NATO-Doppelbeschluss, Tschernobyl, Fall der Berliner Mauer.
Studium der Geschichte, Politik und Soziologie in Berlin
und Leipzig.


Plötzlich ist der Einsatz von Atomwaffen wieder denkbar. Aber welche Bombentypen gibt es und was wissen wir über ihre unheimliche und faszinierende Wirkung?

Acht Nationen haben 2.000 Nuklearsprengsätze zu Testzwecken gezündet. Diese Experimente werden hier ganz neu erzählt: als nationenübergreifende Wissenschafts- und Technologiegeschichte, die eine plastische Vorstellung dieser exotischen Sphäre liefert. In der Wissenschaftler, Militärs und Zulieferer mit haarsträubender Sorglosigkeit die Spirale des Schreckens immer weiter drehen. Der Variantenreichtum ihrer Versuche ist verblüffend, die Szenarien dahinter übertreffen düsterste Science-Fiction.

Souverän, spannend, schockierend, humorvoll

Der Mythos dieser verborgenen Welt wird in diesem Buch mit großer Sachkenntnis und erstaunlichem Witz unterhaltsam entzaubert.

»Auch heute werden Gefahren unter dem Vorwand,
sie verhindern zu wollen, erst erzeugt.«


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TERMINE mit Sven Hannes:

13. Oktober 2017, 12.00–12.30 Uhr, Frankfurter Buchmesse, Leseinsel der unabhängigen Verlage
Autor Sven Hannes liest auf der Frankfurter Buchmesse aus seinem Buch »Die Bombe«. Das erste Buch über die Geschichte der Atombombentests – spannend, schockierend, humorvoll.
Ort: Frankfurter Buchmesse, Leseinsel der Unabhängigen Verlage, Halle 4.1, D 36.


LESEPROBE:
Kapitel 6: Kriegsspiele

Lange Leseprobe als PDF

Der Mensch erweist sich als das schwächste Glied auf dem atomaren Schlachtfeld. Das zeigen Tests, in denen 55 kahlrasierte Schweine in maßgeschneiderte Uniformen gezwängt werden. Metallknöpfe, Gürtelschnallen, Armbanduhren und zum Beispiel auch militärische Ehrenabzeichen verwandeln sich im Atomkrieg in Wärmebrücken, die geeignet sind, die Hitzestrahlung durch alle Kleidungsschichten auf die Haut weiterzuleiten. Selbst die Farbe der Uniformen wird zum Problem, weil sie bei den gängigen Modellen zu dunkel ausfällt und zu viel Energie absorbiert.

Beim Test Met am 15. April 1955 werden Schaufensterpuppen auch mit sowjetischen und chinesischen Uniformen eingekleidet. Es wird bewiesen, dass der Gegner vor dem gleichen Problem steht: Die klassischen Tarnstoffe müssten idealerweise durch aluminiumbeschichtetes Latex ersetzt werden. Besonders gefährdet sind, wie eine andere Studie feststellt, Soldaten mit schwarzer Hautfarbe. Ihnen wird empfohlen, freiliegende Hautpartien mit einer speziellen Creme auf Fettbasis einzureiben, die bereits im Zweiten Weltkrieg für das Betankungspersonal von Flugzeugträgern entwickelt wurde. Erst nach einigen Jahren ergeben weitere Tests, dass die Paste zwar bei Treibstoffbränden einen gewissen Schutz bietet, durch den Hitzeimpuls von Atombomben aber spontan entzündet werden kann. Daraufhin wird eine geeignetere Rezeptur entwickelt, die ohne Fett auskommt.

Schwerer zu lösen ist das Problem der mentalen Belastungsgrenze. Bei den Manövern in der Wüste von Nevada zeigt sich bald, dass die gewaltige Detonation und der Anblick des aufsteigenden Feuerballs viele Soldaten in einen Zustand versetzt, der Zweifel an ihrer Einsatztauglichkeit aufwirft. Einige sind von dem Anblick so begeistert, dass sie sich nicht mehr von ihm losreißen können. Andere, nämlich die Mehrzahl, verfallen in eine apathische Schockstarre und trauen sich nicht mehr aus ihren Gräben. Zitternde Hände sind ein häufig zu beobachtendes, schon aus den Artillerie-Exzessen des Ersten Weltkrieges bekanntes Phänomen.

Und so wird erforscht, ob die betroffenen Soldaten noch in der Lage sind, ihre Gewehre zu reinigen, Minen zu entschärfen oder andere feinmotorische Aufgaben zu meistern. Die bedauernswerte Task Force Big Bang, die für dieses Experiment abkommandiert wird, darf nicht einmal in Gräben Schutz suchen, sondern wird gezwungen, sich auf den blanken Wüstenboden zu legen. Zwischen ihnen und dem Bombenturm erstreckt sich nichts als 4.000 Meter geharkter Sand.


VIDEOS

Videos zum Thema, die euch interessieren könnten. Wer gerne noch mehr sehen möchte, sollte unsere Playlist auf unserem YouTube-Kanal ansehen!

Video 1: Testaufbau und Wirkung der »Atomic Cannon« (1953); Video 2: Die Dokumentation zeigt die Auswirkungen einer Atombombe auf drei Testhäuser (1954)
Video3: Operation »Hardtack«, Beschreibung der Testtätigkeit (1958); Video 4: Das Projekt »Gnome«, Edward Teller beschreibt »Peaceful Nuclear Explosions« (1961)