Babet Mader

Väter. Roman

»Stimme der Generation 30« (Die Presse, Wien)

Hardcover
176 Seiten

ISBN: 978-3-944122-05-2
20,50 Euro (D), 21,00 Euro (A)

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Die Erzählerin schildert und imaginiert Kindheit und Jugend ihrer (ostdeutschen) Väter.

Nachdem ihr Debüt »hungrig« drei Generationen von Frauen beleuchtete, stellt sich Babet Mader in ihrem neuen Buch der Frage, wie Jungs zu Männern und Vätern werden – in einer Schreibweise, die immer zugleich weibliche Außenperspektive und männliche Gefühlsinnenwelt in sich aufnimmt.

Mittels vieler Einzelszenen aus dem Leben der Protagonisten Thomas, Alexander und Michael entsteht – durch den Spiegel einer weiblichen Erzählerin – wie bei einem Puzzle Stück für Stück ein Porträt deutscher Männer von den 70er Jahren bis in die Gegenwart.

Lebendig, anrührend, poetisch, schmerzhaft.

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Ein kurze Hörprobe aus »Väter« gelesen von Elisabeth Koch:


STIMMEN:

»…typisch für Open House: anspruchsvoll, unkonventionell und unterhaltsam.«
– Ina Namislo im MDR

»Stimme der Generation 30«
– Die Presse (Wien)


Leseprobe:

Ich hätte mich doch auch melden können, hast du bei meiner Jugendweihe zu mir gesagt.
»Du bist doch wohl fähig ein Telefon zu bedienen.«
»Deine Mutter hat unseren Kontakt unterbunden«, hast du gesagt, aber das konnte ich dir nicht glauben.
»Deine Mutter«, sagst du auch heute. Du nennst sie nicht beim Namen.
Das Essen kommt, du hältst inne, und ich frage mich, wie soll ich dir eigentlich vergeben?
Ich würde dir gerne sagen, dass es nicht schlimm war, damals. Aber es war schlimm.

Du bezahlst. Ich sage danke, und weiter weiß ich nicht. Ich möchte nicht zu lange von dir umarmt werden, das fühlt sich unecht und verkrampft an. Die Sonne ist hinter der Museumsinsel verschwunden. Der Tisch, an dem wir saßen, steht nun im grauen Licht des angebrochenen Abends. Ich wende mich ab, laufe los zur Straßenbahn, an der Straßenbahnhaltestelle vorbei, möchte nur weg, durch den Park, über die Brücke, nach Hause.

Als ich die Tür aufschließe, ist es still und kühl und klamm. Die Wäsche trocknet schlecht. Die Wände, ohne Tapeten, sind nur zum Teil geweißt. Auf dem Küchentisch liegen Buntstifte. Ich lege meinen Schlüssel daneben, und auf einmal wird mir schlecht. Mein Herz krampft, ich muss mich setzen. Ich sehe die Stifte und den Schlüsselbund, spüre, wir werden alle sterben. Das Leben rennt. So selten drehen wir uns zurück. Die Vergangenheit wird Zukunft, das Jetzt ist nie. Tränen laufen mir warm über die Wangen. Ganz still. Sie schmecken salzig und rund.

Ich höre Sätze, die durch deinen Kopf geflogen sind, gehe mit dir zurück und baue deine Jugend. Ich baue mir ein Land, das es nicht mehr gibt. Baue mir eine Zeit, und alles was ich wissen will, weiß ich. Ich rieche das Meer, und ich bin bei dir. Thomas. Es ist Sommer 1971, unter dir ist Sand. Die Steine. Das Wasser. Wasch. Tang. Brack.