Es braucht eine weibliche Stimme …

 

 

Es braucht eine weibliche Stimme, um hörbar zu machen, was Jungs denken und fühlen, bevor sie zu Männern (gemacht) werden:
 

Du bist lieber in der Küche. Deine Oma sagt, du bist wie eine Katze, schleichst immer um den Ofen herum. Du nickst. Du sprichst nicht viel, wenn du hier bist. Die Geräusche um dich herum sind dir genug. Oft kommt dir deine Stimme hier fremd und unpassend vor. Als ob das Haus und die Bäume sie verändern. Als ob das Rauschen der Blätter dich zwingt lauter zu sprechen und die Wände deine Töne mit einem unheimlichen Hall zurückwerfen. Deine Stimme scheint hier größer zu sein, mehr Gewicht zu haben als in der Stadt. Das macht dich unsicher. Auch wenn du mit dir selbst sprichst, flüsterst du.
 

Die Hupe! Die Eltern sind da. … Du schaust weg, dein Blick trifft auf den deiner Oma. Sie weiß es. Sie weiß was, du nachts in Bädern machst, sie weiß wie unruhig du bist, sie kennt deine blauen Flecken, und sie weiß auch, dass du es weißt.
»Alles nicht so schlimm«, sagt sie, »alles nicht so schlimm.«
Da trampeln sie auch schon den Flur entlang. Du drückst dich an deine Mutter, als sie im Türrahmen zur Küche auftaucht. Ihre Hände streicheln deinen Kopf. Ihre Hände sind anders. Ihre Hände wissen nichts.

 

Aus Babet Mader: Väter. Roman.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.